Überblick November: Noch ist es zu früh.

Weil die harzigen Inflationsprozesse aus unserer Sicht noch keine klare Aussage zulassen, wann die Notenbanken den letzten Schritt auf ihrer Zinstreppe nach oben gegangen sein werden, bleibt die Unsicherheit an den Kapitalmärkten hoch.

Sollte bei den Inflationsraten in den kommenden Monaten nicht der gewünschte Schwenk nach unten in Richtung der Inflationsziele der Notenbanken erfolgen, dann sind noch höhere Leitzinsen denkbar, als wir sie in unsere jüngsten Prognosen aufgenommen haben. Mithin gäbe es weiteres nennenswertes Enttäuschungspotenzial für die Kapitalmärkte.

Ist der Weg schon jetzt frei für eine nachhaltige Erholung? Wir beantworten diese Frage derzeit noch mit „nein“. Die jüngsten Aktienkursanstiege sind vermutlich nur eine kleine Zwischenerholung. 

Aktienmarkt Deutschland

Der Ausblick auf eine abnehmende Inflationsdynamik und ein Überschreiten des Zinsgipfels in den kommenden Monaten gepaart mit einer sehr negativen Stimmung und Positionierung der Marktteilnehmer hat eine spürbare Kurserholung von den September-Tiefständen ausgelöst. Zunächst bleibt das konjunkturelle Umfeld aber schwierig, und ist die Stimmung im Unternehmenssektor ist aufgrund der Risiken zurückhaltend. Die Gewinnerwartungen sind für das aktuelle Umfeld zu hoch und müssen in den kommenden Wochen nach unten angepasst werden, allerdings nur in moderatem Ausmaß. Somit ist in den kommenden Monaten mit erneuten Kursrücksetzern sowie mit hohen Schwankungen zu rechnen, die allerdings nicht unter die Tiefstände von September 22 führen sollten. Deshalb gilt es weiterhin, antizyklisch und regelmäßig den Einstieg in den Aktienmarkt zu verfolgen, um an der Bodenbildung der Kurse und der im Anschluss erwarteten nachhaltigeren Aufholbewegung zu partizipieren.

Prognoserevision: 3-, 6- und 12-Monatsprognosen nach oben angepasst.

Quelle: DekaBank, Makro Research 10. November 2022

Rentenmarkt Euroland

In den vergangenen Wochen ging der Anstieg der Renditen von Bundesanleihen vor allem von den kurzen Laufzeitbereichen aus. Während die Erwartungen über bevorstehende Leitzinserhöhungen der EZB kaum noch zugenommen haben, dürften Änderungen an den langfristigen Refinanzierungsgeschäften TLTRO-III zu vorgezogenen Rückzahlungen führen, die der Knappheit an kurzlaufenden Anleihen entgegenwirken. Allerdings halten wir das an den Finanzmärkten mittelfristig erwartete Leitzinsniveau für zu hoch, sodass wir nur noch begrenzten Spielraum für weitere Renditeanstiege in den kurzen Laufzeitbereichen sehen. Gleichzeitig dürften sowohl das lange Ende der Bundkurve als auch die Risikoaufschläge der Eurolandperipherie etwas durch die Aussicht auf einen Bilanzabbau der EZB sowie steigende Nettoemissionen belastet werden.

Prognoserevision: –

Quelle: DekaBank, Makro Research 10. November 2022

Devisenmarkt: EUR-USD

Seit dem Zwanzigjahrestief des EUR-USD-Wechselkurses vom September (0,9565 EUR-USD) hat der Euro mittlerweile um 4 % aufgewertet und erreichte wieder die Parität zum US-Dollar. In beiden Währungsräumen sind die Zinserwartungen an die Notenbanken weiter gestiegen, die Erwartungen einer Rezession haben sich verfestigt. Aber ein Risikothema für den Euro ist zuletzt deutlich gesunken: Die befürchtete Gasmangellage dürfte dem größten Euro-Land Deutschland in diesem Winter vermutlich erspart bleiben. Dies unterstützt den Euro, reicht allerdings nicht für ein schnelles Ende der Euro-Schwäche: Auch wenn der Zinsvorsprung der USA bei den Renditen 2-jähriger Staatsanleihen mittelfristig abnimmt, dürfte die Inflation im kommenden Jahr in den USA stärker zurückgehen als in Euroland. In der Realzinsbetrachtung punkten die USA damit deutlich.

Prognoserevision: –

Quelle: DekaBank, Makro Research, 10. November 2022

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